Plätzler Logo  
 

Breisgau-Ofaloch!

Altdorf-Weingarten war bis zum Frieden von Pressburg 1805 Sitz der Landvogtei Schwaben und gehörte zum damaligen Vorderösterreich. Der Regierungssitz befand sich damals in Freiburg im Breisgau. Durch den erwähnten Frieden fiel die Landvogtei Schwaben an Württemberg, das gleichzeitig zum Königreich erhoben wurde. Als die einstmals freie Reichsstadt Ravensburg im Jahre 1810 ebenfalls an Württemberg gelangte, wurde der hiesige Oberamtssitz nach Ravensburg verlegt. Altdorf war nun gänzlich seiner Mittelpunktsfunktion enthoben und sank fast zur Bedeutungslosigkeit herab.

Es darf heute als sicher angenommen werden, dass der erste Teil des Narrenrufs der Plätzlerzunft, “BREISGAU”, seinen Ursprung in eben dieser vorderösterreichischer Zeit hat und sich erst im Laufe der Zeit zu einem befreienden Hochruf auf die vergangene Epoche gewandelt hat.
Dieser Ruf dürfte im 18. Jahrhundert zunächst als Schmähruf auf die Obrigkeit Zugang zu unserer heimischen Fasnet gefunden hat. Nur die Fasnacht gab dem gemeinen Volk kurzzeitig die Möglichkeit, straffrei die Obrigkeit zu verhöhnen. Politischer Hintergrund dürfte die Straffung der Verwaltungsorganisation in der KUK–Monarchie ende des 18. Jahrhundertes gewesen sein, was insbesondere im stärkeren Eingreifen seitens der Regierungsorgane bei diversen Festlichkeiten seinen Ausdruck fand.

Europas napoleonische Neuordnung und die darauf  folgende recht ungeliebte protestantische Herrschaft des Hauses Württemberg führten zum Wegzug der Beamten- und Handwerker­schaft in das benachbarte Ravensburg. Die Bürgerschaft musste erleben, wie das einst so mächtige Kloster aufgelöst wurde und Altdorf verarmte. Fastnacht und Blutfreitag wurden zeitweise verboten. Die pietistisch gesinnte württembergische Regierung wollte die neu gewonnenen Gebiete Oberschwabens fest auf den Kurs Württembergs einzuschwören. Die unpopulären Verbote erschwerten aber eher die Einbindung der Gebiete in den neuen Staat. Man trauerte der vorderösterreichischen Zeit nach.

Die Fastnacht bot Gelegenheit, die “gute alte Zeit” zu verklären. Das “Breisgau” führte den neuen Herren vor Augen, wem man sich in Wirklichkeit noch immer zugehörig fühlte. So wurde augenscheinlich ein einstiger Schmähruf zu einem Hochruf auf vergangene Tage. Was gegen Ende des 18. Jahrhunderts lediglich kleine Unzufriedenheiten mit der vorder­österreichischer Verwaltung anprangerte, avancierte jetzt zum Ausdruck der Zugehörigkeit zu Österreich.

Für den zweiten Teil des Narrenrufs “OFALOCH”  gibt es keine wirklichen Anhaltspunkte. Sein Ursprung liegt nicht im direkten Umfeld der Fasnet, er ist eher im Umfeld der Zunftgründung zu suchen. So ist bekannt, dass Dr. Mattes am Ende einer Sitzung den Begriff “Ofenloch” verwendet hat, gelegentlich auch zur Unterstreichung des soeben Gesagten.